Selbstversuch: 7 Tage Vegan (Ein Experiment mit dramatischen Folgen)

Das Gefühl verfolgt zu werden, ist beileibe kein Schönes. Doch wenn sich dann noch herausstellt, dass der Verfolger nicht real sondern sondern nur virtuell ist, hört für mich der Spaß auf. Diesen Sommer heftete sich eine Dokumentation an meine digitalen Fersen. Und als mir dann noch mein guter Freund Matthias die Empfehlung für diesen Film aussprach, gab ich es auf. Ich nahm mir einen Abend Zeit und begab mich in die Welt der veganen Leistungssportler. Dieser Abend sollte mein kulinarisches Leben auf den Kopf stellen... (Von Jan Herzog)

 

"Machen Milch und Fleisch uns wirklich krank? Was geschieht mit tierischen Produkten in meinen Körper? Kann ich durch hochwertige, biologische Lebensmittel den negativen Effekt tierischer Produkte auf meinen Körper aufheben? Und vor allem, kann eine pflanzliche Ernährung meine Leistungsfähigkeit steigern?"

 

Diese und verwandte Fragen stelle ich mir schon lange. Und eine richtig konkrete Antwort hatte ich bisher nicht gefunden. Natürlich preisen die veganen "Gurus" ihren Lebensstil als den besten an, genau so wie ein guter Verkäufer auf dem Hamburger Fischmarkt für seine Produkte wirbt.

 

Für mich als objektiven Betrachter, hat das erst einmal nichts zu bedeuten. Im Jahr 2013 hatte ich schon mal einen kleinen Versuch unternommen, es aber auch schnell wieder sein lassen... Und trotzdem ließ mich das Thema vegane Ernährung niemals so richtig los.

 

Mich? Das ist Jan Herzog, Unternehmer und Gesundheitsexperte aus Bremen. Gemeinsam mit meinem Vater führe ich unsere sechs Gesundheitshäuser in ganz Deutschland. (Herzog: Gesunde Bewegung)

 

Ein Film mit Folgen

Im besagten Film (www.gamechangersmovie.com) gibt es eine Szene der tapfersten und mutigsten Männer New Yorks; den Fire Fighters. Ein ehemaliger Feuerwehrmann berichtet über die Haupttodesursache der Feuerwehrmänner im Einsatz. Zum Erstaunen Aller sind es nicht die Unfälle oder Tragödien im Dienst sondern Herzattacken. 67 % aller New Yorker Feuerwehrmänner im Dienst sterben aufgrund eines Herzinfarktes. Hauptursache Nummer 1 sind dabei zu hohe Cholesterinwerte im Blut, welche in direkter Verbindung mit dem Konsum tierischer Lebensmittel stehen. Und jetzt kommt der Hammer:

 

Der Triathlet Rip Esselstyn startete den sogenannten Sieben-Tage-Rettungsplan. Eine volle Woche pflanzlicher und gesunder Ernährung mit ärztlicher Blut-Untersuchung an Tag 1 und Tag 8. Bereits eine Woche pflanzlicher, tierfreier Ernährung konnte bei manchen Firefighters den Cholesterinspiegel um über 35% senken. Und das nach nur sieben Tagen Veganer Ernährung! Zusätzlich sank der Blutdruck bei Vielen und im Schnitt verloren die New Yorker Feuerwehrmänner 2kg Körpergewicht. Für mich war die Konklusion eindeutig: Wenn schon sieben kurze Tage einen so großen Effekt auf die Gesundheit der Männer haben konnten, dann würde auch ich nach sieben Tagen Veränderungen feststellen können. Oder etwa nicht?

 

Viele meiner Freunde  würden mich als Gesundheitsguru bezeichnen, also Jemanden, der Gesundheit nicht nur lebt sondern auch predigt. Neben körperlicher Fitness, gesunder Bewegung und bioenergetischem Schlafen gehört für mich auch der christliche Glaube und Spiritualität zu den großen Gesundheitsthemen des Lebens. Aber Ernährung? Bis vor wenigen Tagen hätte ich noch gesagt: "Ernähre dich frisch, biologisch und wenig verarbeitet. Ein bisschen Nahrungsergänzung und du bleibst gesund!" Diese Dokumentation hat mich dann aber doch ins Grübeln gebracht.

 

Was wäre denn, wenn schon wenige Tage Veganer Ernährung einen Einfluss auf meine körperliche Gesundheit hätten. Wenn ich schon nach sieben Tagen Veränderung spüren könnte und sich auch meine Leistungsfähigkeit spielend nach oben schrauben würde. All das, durch eine so alltägliche Sache wie dem Vermeiden bestimmter Lebensmittel? Ein verrückter Gedanke...

 

Sieben Tage voller Leid und Qualen! Warum tut man(n) sich so etwas an?

Für mich als sehr begeisterungsfähigen Menschen kann ein einziger Artikel, Film oder Gespräch manchmal einen riesigen Welleneffekt auslösen. Und so auch diesmal. Binnen weniger Tage reifte in mir die fixe Idee heran, den 7-Tage-Rettungsplan persönlich umzusetzen. Nicht, dass ich unter Herzkreislaufproblemen litt, aber mehr Gesundheit und Leistung sind für mich ein großes Thema.

 

So machte ich mich also mental auf den Weg und plante meine ersten Schritte. Ein idealer Zeitpunkt zum Starten wurde gesucht. Am besten sofort, aber schon morgen? Das geht doch nicht, das ist zu früh. Zumal  wir an dem besagten Samstag auf einer Hochzeit eingeladen waren, einer Hochzeit mit köstlichen Fleisch- und Fischspeisen. Somit entschied ich mich also mein Experiment an dem darauffolgenden Sonntag zu starten. Von Sonntag bis Samstag, ganz entspannt eine Woche lang ohne tierische Produkte.

 

Was waren dabei meine echten Herausforderungen? Abgesehen vom ersten Tag der Umstellung und den (wirklich nervigen) Kommentaren mancher Mitmenschen, war diese Woche wirklich nett. Klar fiel es mir schwerer als sonst meine Speisen zuzubereiten und die ersten beiden Einkaufstouren zogen sich lang. Aber ich nahm es sportlich. Meine witzigste Begegnung hatte ich in einem Weyher Dönerladen: Die Inhaberin fragte mich nach meiner Bestellung und ich versicherte ihr, dass ich gerne auf ihre wunderbaren Hähnchenspieße verzichten wolle. Daraufhin brüllte sie durch den gesamten Laden, dass sie nun nicht mehr wüsste, was sie mir anbieten solle. Und das der Mensch, nach ihrer Auffassung, von Salat allein nicht leben könne. 😉 Nachdem ich den doch köstlichen veganen Rollo ohne Sauce verspeist hatte, machten wir einen Deal: Sollte ich jemals wieder zu ihr kommen, dürfte ich meine vegane Dönersauce in Ihrem Kühlschrank einlagern. Sie willigte lustigerweise sofort ein.

 

Spannend: Am Sonntag, meinem ersten Tag der Challenge verspürte ich neben gewissem psychischen Unwohlsein auch eine unsagbare Lust nach Fast Food. Da der goldener Burgerladen ja mittlerweile auch vegane Burger anbietet, fuhren wir abends direkt in den Drive-In und bestellten uns Burger. Die Woche über normalisierte sich dieser Drang aber wieder. Passt! 😉

 

Challenge beendet: Was habe ich gelernt?

Diese sieben Tage waren ein Erfolg, ein voller Erfolg. Allein die Tatsache, sich etwas so schwerwiegendes wie eine Ernährungsumstellung vorzunehmen und nicht einen Zentimeter davon abzuweichen ist großartig. Mir haben diese sieben Tage Momentum und Schwung gegeben. Und ja, ich habe es geschafft. Danke für die Glückwünsche!

 

Das sind meine größten Learnings aus diesem Experiment:

  • Meine schönste Erfahrung ist eine neue Achtsamkeit im Umgang mit gekauften Lebensmitteln. Es hat schon etwas, sich bei jedem verarbeiteten Lebensmittel die Etiketten anzusehen und bewusst zu entscheiden, ob es den Kriterien entspricht oder nicht. Ich bin achtsamer und wertschätzender für unser Essen geworden.
  • Energie und Leistung trotz Erkältung. Murphys Law sagt dir etwas? Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen. In dieser Woche war es eine starke Erkältung mit Halsschmerzen, Husten, Temperatur und Co. Und trotzdem habe ich mich weniger müde und erschöpft als sonst gefühlt. Wie es im Leistungszustand "gesund" aussehen mag, kann ich bisher nicht beurteilen!
  • Mein Hautbild im Gesicht hat sich leicht verbessert. Und das obgleich ich unter der besagte Erkältung litt.
  • Ich fühle mich leichter. Auch das habe ich schon oft gelesen und es ist erstaunlich, wie schwer sich tierische Lebensmittel im Körper anfühlen können. Wie sie den Organismus belasten. Gerade für meine oft schwergängige Verdauung war es eine Erleichterung. Bauchschmerzen habe ich diese Woche vergeblich gesucht.
  • Sonntags zu starten ist eine gute Idee. Gerade der Sonntag als oft ruhigerer Tag war für mich ideal um mein Experiment zu starten, denn ich konnte mich voll auf meine neue Esssituation einstellen.
  • Milch, Milch und Milchpulver. Die Lebensmittelindustrie meint offenbar, dass das weiße Wunderpulver in jedem Essen ein Gewinn sei. Ich finde es absurd, in wie vielen Lebensmitteln zusätzlich und unnötigerweise Milch zugesetzt ist.
  • Weder ab-, noch zugenommen. Wobei dies vielleicht auch an den vier Tafeln veganer Schokolade in dieser Woche liegen könnte. Aber wer weiß das schon so genau... 😉

Unsere Mitarbeiterin und vegane Ernährungsberaterin (zertifiziert) Romina Jordemann äußert sich dazu folgendermaßen: "Ich fühle mich weniger erschöpft und auch nicht mehr so voll nach dem Essen, das ist mir relativ schnell aufgefallen. Dann hat sich meine Haut deutlich gebessert (Stichwort Neurodermitis), außerdem fällt es mir viel leichter mein Gewicht zu halten, auch ohne extra Sport. Damals konnte ich nur durch die Umstellung von vegetarisch zu vegan einfach 8 kg abnehmen."

 

Frau Jordemann ist selber dreifache Mutter und ernährt sich seit vielen Jahren vegan. Durch Ihre persönliche Unterstützung konnte meine Sieben-Tage-Vegan-Challenge ein voller Erfolg werden. (Frau Jordemann bietet ein kostenloses Erstgespräch an, weitere Informationen direkt per Email an kroemer.romina@gmx.de)

 

Wie geht es nun für mich weiter?

Die Frage aller Fragen! Eine Frage, die mir in meinem Umfeld bisher dutzende Male gestellt wurde ist: Wie geht es nun für dich weiter? Was hat diese 7-Tage-Challenge in dir bewirkt und war's das jetzt? In manch Einem scheint ein Funken Hoffnung geboren zu sein, andere Teile meines Umfelds wären sicherlich froh, wenn ich zu der normalen, Omnivoren Ernährungsweise zurückkehren würde. Meine Verlobte äußerte sich bisher gar nicht. 😜

 

Also, wie geht es nun für mich weiter? Diese Frage drängt sich beim Lesen des Artikels unweigerlich auf, und ich muss dir ganz ehrlich gestehen, dass ich es nicht weiß! Die letzten 7 Tage haben meinen Blick geschärft, und mir dabei verholfen über den Tellerrand hinaus zu schauen. Sie haben mir Selbstbewusstsein gegeben, eine Herausforderung anzupacken und sie von Tag Eins bis zum Ende durchzuziehen. Darauf bin ich stolz. Heute ist für mich eines klar: ich sehe keinen Grund, meine Ernährung wieder zu tierischen Produkten hin umzustellen. Und Fleisch vermisse ich auch nicht. Für Heute habe ich eine Entscheidung getroffen, ich bleibe vegan!

 

Und was passiert in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren? Wie gestalten sich meine Hotelbesuche, Geschäftsessen und Frühstückstreffen in Restaurants? All das sind Fragen, die ich heute noch nicht beantworten kann. Die Zukunft wird es zeigen, aber mein Mentor Jeff Olsen schreibt in seinem Buch “Slight Edge”: “Fange an zu tun, dann hast du auch die Kraft dazu!” 

 

Ich für meinen Teil habe angefangen, und habe die Kraft erfahren!

Was denkst Du über meine vegane Woche? Konnte ich Dich inspirieren, dein eigenes Selbstexperiment mit Folgen zu starten? Oder ist die vegane Ernährung nur ein unnötiger Hype? Ich freue mich auf den Austausch, hinterlasse mir einfach einen Kommentar. Ich werde Dir persönlich antworten.

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Kommentare: 2
  • #1

    Jörn (Dienstag, 29 Oktober 2019 20:49)

    Hallo Jan!
    Auf der einen Seite war mir Dein Bericht ein wenig zu lang. Und auf der anderen Seite hast Du wenig darüber geschrieben, wie Du es umgesetzt hast. Was hast Du in dieser Woche gegessen? Hast Du Ersatzprodukte verwendet, oder gab es nur Salat und Äpfel zu essen ;-)
    Ansonsten bin ich der Meinung, dass wir alle zumindest den Konsum von Fleisch deutlich reduzieren sollten.
    Viele Grüße
    Jörn

  • #2

    Jan Herzog (Mittwoch, 30 Oktober 2019 00:58)

    Lieber Jörn,
    danke für deine Meinung. Ich gebe dir mal ein paar Ansätze: Begonnen habe ich mit Ersatzprodukten und der Unterteilung in drei Essensbereiche. Frühstück, Mittag und Abendbrot. Das Frühstück habe ich mich Müsli und Porridge umgesetzt. Zu den warmen Mahlzeiten gibt es ja hunderte tolle Rezepte. Und zum Abendbrot und zwischendurch habe ich dann Brot mit pflanzlichen Aufstrichen gegessen. :-) Der fehlende Besuch beim Bäcker war meine größte Herausforderung. Zweimal versucht und zweimal gescheitert. Beide Male kein Veganes Angebot. (Abgesehen von Laugenbrot)